Testbericht Advance Kaiman 4, 10m² Delta-Hybrid

Diesen Bericht schreibt ein unabhängiger User aus dem Kitesurfforum. (Mit freundlicher Genehmigung von "Deichheld" )

Datum: 08.01.2010
Uhrzeit: 12.00 Uhr bis ca. 16.00 Uhr
Spot: Wulfener Hals / Fehmarn, Ostseeseite
Wind: SSE - SSW, Stärke ca. 8-13knt
Testmethode: Windmaster und Windfinderstatistik (siehe Bild)
Referenz für Windfinder, Rosenfelder Strand +1knt
Fahrergewicht: ca. 93kg
Boards: 134x39 und 164x42
Webseite: www.kiteplanet.de /www.advance-kites.com

Durch einen günstigen Umstand bin ich in an die Möglichkeit gekommen, den Kaiman 4 in 10m² zu testen. Ich möchte euch einen kurzen Überblick über Zubehör, Details, Gesamteindruck und Technik des getesteten Schirms geben. Der Kaiman 4 war mit der serienmäßigen Ausstattung für 2011 RTF:

Der Schirm: Die Formgebung / Design des Kaimans ist auffällig und für einige Augen sicher Gewöhnungsbedürftig, macht aber physikalisch Sinn. Doch testet selbst.

Ausgestattet mit allem was ein Schirm haben muss und darüber hinaus noch einigem mehr...

Advance hat dem Kaiman ein One-Pump verpasst, dieses kommt ohne „Knicks" in den Schläuchen aus, funktioniert sehr gut und verfügt über die üblichen Schlauchklemmen. Alle Ventile zum End- und Belüften sind zusätzlich durch Klettband gegen unbeabsichtigtes Öffnen gesichert. Die beiden äußeren Struts werden über das One-Pump entlüftet, die mittleren drei Struts verfügen jeweils über ein extra Entlüftungsventil, es entfällt so das nervige „Strut-Ausdrücken". Selbstverständlich hat das Belüftungsventil ein Rückschlag inklusive.

Statt einem Tüddeltampen für eine Haken-Leash wurde ein groß ausfallender Handgriff zur Befestigung der Leash und zum Tragen des Schirmes angenäht. An den Enden des Schirms, gibt es Griffe für die Self-Rescue.

Advance ist, wenn ich richtig nachgeforscht habe, die Einzige(?) Firma, welche Kameraösen an der Mittelstrut vorgesehen hat. Sprich, die Kamera hat Befestigungsmöglichkeiten.

Das Logo für den Kaiman, ist nicht aufgedruckt sondern eingenäht, es ist also von beiden Seiten ohne Farbverluste zu sehen.

Das Briddle-System erscheint sehr lang, birgt aber seinen Sinn. Es wird auf hochwertige Umlenkrollen zurückgegriffen. Der Schirm ist mit einer vollwertigen Fünften Leine ausgestattet, diese ist mittig, zentriert an der Fronttube angesetzt (kein V).

Die Bar:
Mit 53cm eine angenehme Größe, sehr Griffig, liegt vom Durchmesser angenehm in der Hand. Edelstahldurchführung für den Depowertampen und die Fünfte Leine.

Farbliche Markierung Grün und Weiß für die entsprechenden Seiten, hält man die Bar mal falsch rum, gibt es einen dezenten „Turn-Around" - Hinweis auf der Bar.

Der Chickenloop ist Formstabil und selbst unter großer Last verformt er sich nicht zu einer Ellipse o.ä. Chickendick, ist sehr stabil ausgelegt. Bei der Kälte war er etwas schwer zu Händeln. In der Kombination mit dem Chickenloop, war ein „rausrutschen" aus dem Trapezhaken durch Verkanten / Verformen nicht möglich.

Die Chickenloop / Quickrelais - Einheit, wirkt „schwer", durch seine Größe und die verarbeiteten Materialien ist es sehr robust und unanfällig. Also die „99"Gramm mehr Gewicht sind es wert.
Im Inneren des Loops befindet sich ein Suizide Loop, an diesem wird die Fünfte mit der normalen Leash gesichert. Gibt es einen unkontrollierten Abgang mit zu großen Kräften (unkontrollierter Kiteloop o.ä.) bricht dieser Suizide Loop und gibt die Fünfte frei. Diese Sollbruchstelle lässt sich ohne Probleme selbst erneuern und ein Ersatz liegt im Sparepart-Kit bei.

Der Chickenloop verfügt zum Quickrelais über ein Drehgelenk um die Depowerleinen ausdrehen zu können.

Das Quickrelais ist sehr griffig und löst sicher aus, zum Auslösen muss eine Hülse vom Chickenloop weggeschoben werden. Weiteres auf den Bildern, die Montage, auch mit Handschuhen ein Kinderspiel.

Die Fünfte Leine wird am Loop sicher geführt, zusätzlich verfügt die Fünfte am Adjuster über eine Klemm-Cleat und über eine verschiebbare Stopperkugel zur Begrenzung des Barweges auf der Fünften Leine.

An den Hörnchen befinden sich sogenannte Backline-Adjuster.
Diese kürzen die Steuerleinen ein und erhöhen so den Anstellwinkel des Kites bei wenig Wind.

Die Leinen sind „versiegelt", etwas starrer als die Allgemeinen auf dem Markt. Mit dem Vorteil, dass kein Dreck (Sand) in die einzelnen Garne der Leinen eindringen kann. Sprich weniger Abnutzung. Caution hatte früher ähnliche Leinen.

Der Rucksack:
Sehr gute und stabile Verarbeitung, mit inneren und äußeren Spanngurten für Pumpe, Board, etc., Tasche für die Bar, Zurrung für den Kite im Rucksack.
Schlüsselfach, Repairset-Bag und extra Kompressionssack für Kite oder Neoprenequipment.
Und zu allem „Übel" gibt es noch einen gepolsterten Beckengurt für alle die einen weiten Weg an den Spot haben ... (St. Peter lässt grüßen)

Repairset im Bag:
Alles was der kaputte Herz begehrt, von Patches über Nähgarn, Klebstoff, Nahtauftrenner, Schere, ...
über Wechselschraubendreher Kreuz/Schlitz, Suizide-Hook Ersatz, Schlauchstück für Pump, Ventilpinöpsel in Hülle und Fülle ... also wirklich mehr als man hoffentlich jemals braucht

Schirmeigenschaften (alles natürlich Subjektiv und nicht Wissenschaftlich):
Eigentlich wollte ich an diesem Tag, wie die anderen, einen Schirm zwischen 14 und 16m² fahren. Doch was sollte es, also den 10er Kaiman4 aufgebaut. Meine Zweifel bestanden ganz klar und ich sollte eines Besseren belehrt werden.

Aufbau war einfach und Idiotensicher, am Schirm je Leine nur einen Anknüpfpunkt, Leinen farblich voneinander abgegrenzt. PumpSystem funktionierte einwandfrei, wichtig ist, immer kontrollieren ob die Deflate-Ventile der Struts zu sind.

Erster Eindruck, Farbe und Design rocken, Verarbeitung top, ...

Bar abgewickelt, angeknüpft und Funktionen überprüft. Nun geht es los, die Fünfte wird über eine Klemm-Cleat am Adjuster geführt. Nach dem Auslösen wird die Fünfte dort beklemmt und kann so, wenn man den Chickenloop wieder zusammenbaut, nicht ausrauschen. Das Lösen der Fünften an der Klemm-Cleat funktioniert ohne Probleme.
Im Extremfall, bei absoluter Überpower, kann so auch der Schirm noch stärker im Profil verändert werden um in Kraftloser zu machen ohne gleich Auslösen zu müssen.

Der Adjuster ist als Pull-Pull-Version ausgelegt, Farblich sind die beiden Schlaufen voneinander abgesetzt und mit einem Plus und Minus versehen um die Funktion auch optisch zu verdeutlichen.
Das Vorgängermodell hatte die Angewohnheit beim Öffnen des Adjuster gleich auf volle Leistung zu gehen, dieses wurde bei dem neuen Adjuster nun überarbeitet und man kann Gefühlvoll und Sicher den Adjuster öffnen.

An den Back-Lines (Steuerleinen) sitzen kleine Trimmergurte, über diese lässt sich die Länge der Leinen verändern. Gerade im Leichtwindbereich kann man so durch Verkürzung der Steuerleinen den Anstellwinkel des Kites zusätzlich vergrößern. Ich hatte bei dem Test die Trimmer ca. 50% gezogen. Ein betätigen der Trimmer auch beim Fahren ist ohne Kraftaufwand oder Gefummel möglich.

Nun alles fertig, Schirm gestartet. Er ging nach oben und entwickelte durch normales Fliegen bereits so viel Energie das es mich doch beim Lift überraschte und ich an Land den ersten unerwarteten Freiflug hatte.

Auf dem Wasser verhielt sich der Schirm, wie ich es wollte, sanft und dosiert oder auch schnell und kraftvoll. Er dreht sehr schnell, wobei dass ein Zehner auch sollte. Die Kraft baute der Kaiman beim Sinussen gleichmäßig über den gesamten Weg auf, er hat keine Leistungslöcher und verliert auch so gut wie keine Energie beim Aufwärtsfliegen im Sinus.
Wenn der Kite zügig nach hinten gelenkt wird, erzeugt er einen sauberen Lift, der sehr gut dosierbar ist und einen lange trägt und hoch hinaus bringt
Ich weiß, hört sich übertrieben an, waren ja nur max. 13knt...
Es hat mich selbst am Anfang überrascht und die ersten Sprünge bin ich vor Schreck auf dem Hintern gelandet, aber es hat für Rotationen gereicht ...
Leider kann ich über Gepowerte Sprünge und Powerloops nix sagen, mir fehlte der Wind.

Die Wiederstartmöglichkeiten funktionieren einwandfrei, entweder Bar einschlagen wie beim Bow oder Fünfte Leine ziehen und an den Windfensterrand wandern lassen ...
Hier kommt nun die Stopperkugel auf der Fünften zum Einsatz, fast vergessen, wenn man sie etwas weiter unten stehen lässt, hat der Kite etwas Restzug nach der Auslösung, liegt aber perfekt in der Fünfleiner-Startposition und kann in keinster Art und Weise invertieren o.ä.
Wenn man die Stopperkugel weiter in Richtung Schirm schiebt, ist der Schirm kraftlos und wie andere Schirme zu behandeln.


Resümee:
Ein gelungener Schirm, mit allem was ein Hersteller seinem Produkt mit auf dem Weg geben sollte, die Richtige Mischung aus Delta und Hybrid. Ich würde diesen Schirm nicht kategorisieren, er hat für jeden genug Eigenschaften die ihn Interessant machen für die einzelnen Gruppen...
... Außer für die absoluten C-Kite User
Ich frage mich wie früh ein 15er oder 17er losgeht, dieser Schirm hat mich beeindruckt...

Wenn ihr die Möglichkeit habt, testet ihn mal und berichtet über die Überraschung :-)